Supergirl Rezession

Ich bin mit gemischten Gefühlen ins Kino gegangen. Nicht, weil ich dachte, dass Supergirl schlecht wird. Eigentlich habe ich mich sogar ziemlich auf den Film gefreut. Trotzdem hatte ich die Befürchtung, dass es am Ende wieder ein weiterer durchschnittlicher Superheldenfilm wird, den man eine Woche später schon wieder vergessen hat.

Zum Glück kam es anders.

Was ich an Supergirl schon immer spannend fand, ist, dass ihre Geschichte sich deutlich von der von Superman unterscheidet. Superman haben wir inzwischen in gefühlt hundert verschiedenen Versionen gesehen. Ob Christopher Reeve, Brandon Routh, Henry Cavill oder jetzt David Corenswet. Jeder durfte irgendwann einmal das rote Cape tragen.

Supergirl dagegen hatte diese Chance im Kino bisher nie wirklich.

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Die klassische Geschichte fand ich dabei schon immer interessant. Kara wird gemeinsam mit ihrem kleinen Cousin Kal El von Krypton losgeschickt. Eigentlich soll sie als ältere Cousine auf ihn aufpassen und ihn beschützen. Durch einen Unfall kommt sie jedoch viel später auf der Erde an. Aus dem kleinen Jungen ist längst Superman geworden. Der größte Held der Welt braucht nun wirklich keine Aufpasserin mehr.

Allein diese Ausgangssituation macht Supergirl für mich schon zu einer spannenderen Figur. Während Superman als Baby praktisch ohne Erinnerungen aufwächst, erlebt Kara den Untergang ihrer Heimat bewusst mit. Sie verliert ihre Familie, ihre Welt und gleichzeitig ihre eigentliche Lebensaufgabe. Kein Wunder also, dass sie deutlich verbitterter durchs Leben geht.

Der neue Film erzählt diese Geschichte allerdings etwas anders.

Während des Films dachte ich ehrlich gesagt noch, dass sich die Autoren diese Version komplett ausgedacht hätten. Zuhause habe ich dann nachgelesen und festgestellt, dass die Geschichte rund um Argo City tatsächlich aus den Comics stammt. Das wusste ich vorher überhaupt nicht.

Hier wird Kara erst Jahre nach Superman geboren. Dadurch fällt die klassische Idee weg, dass sie ihren Cousin beschützen sollte. Trotzdem schafft es der Film erstaunlich gut zu erklären, warum sie so orientierungslos, frustriert und teilweise ziemlich kaputt wirkt. Auch wenn der Hintergrund verändert wurde, funktioniert ihre Figur erstaunlich gut.

Und genau das ist vielleicht die größte Stärke des Films.

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Milly Alcock gefällt mir als Supergirl richtig gut. Sie spielt die Rolle rau, verletzlich, manchmal genervt und trotzdem unglaublich sympathisch. Man nimmt ihr jede Emotion ab.

Umso absurder finde ich übrigens die Diskussion im Internet, sie sei angeblich nicht hübsch genug, um Supergirl zu spielen.

Ganz ehrlich?

Das gehört für mich zu den dümmsten Diskussionen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Und das will im Internet wirklich etwas heißen. Die Frau passt hervorragend in die Rolle und trägt den gesamten Film ohne Probleme.

Die Handlung selbst erfindet das Genre natürlich nicht neu. Wer in den letzten zwanzig Jahren jeden Marvel und DC Film gesehen hat, wird hier kaum etwas entdecken, das er noch nie gesehen hat.

Aber das muss auch gar nicht sein.

Vielleicht profitiert Supergirl sogar davon, dass Marvel in den vergangenen Jahren einige ziemlich enttäuschende Superheldenfilme veröffentlicht hat. Dadurch wirkt dieser Film plötzlich wieder angenehm frisch. Nicht, weil er revolutionär wäre, sondern weil er einfach ein solides Abenteuer erzählt.

Ein kleiner Punkt ist mir nach dem Kino noch aufgefallen. James Gunn ist zwar Produzent des Films, führt aber nicht selbst Regie. Trotzdem merkt man an einigen Stellen durchaus seine Handschrift. Gerade weil große Teile der Handlung im Weltraum und auf verschiedenen Planeten spielen, fühlt man sich hin und wieder an Guardians of the Galaxy erinnert.

Ein paar witzige Szenen gibt es durchaus. Der Film nimmt sich selbst nicht bierernst. Wenn er sich allerdings mit dem Humor von Guardians of the Galaxy messen möchte, verliert er diesen Vergleich ziemlich deutlich. Dafür fehlt einfach dieses verrückte Timing und die Leichtigkeit, die James Gunn als Regisseur bei den Guardians so perfekt hinbekommen hat. Das ist aber überhaupt kein großes Problem, denn Supergirl möchte gar keine Komödie sein.

Dann wäre da natürlich noch Lobo.

Jason Momoa hat sichtlich Spaß an der Rolle und jedes Mal, wenn er auftaucht, gewinnt der Film an Unterhaltung. Ob Lobo für die eigentliche Geschichte wirklich notwendig gewesen wäre, sei einmal dahingestellt. Für mich fühlt es sich eher so an, als wolle DC die Figur schon einmal für zukünftige Filme etablieren. Das ist völlig in Ordnung, denn seine Auftritte machen einfach Spaß.

Auch Superman schaut mehrmals vorbei. Gespielt wird er wieder von David Corenswet.

Und obwohl ich diese ewige Diskussion eigentlich überhaupt nicht führen möchte, ertappt man sich doch immer wieder bei einem Gedanken.

Henry Cavill war schon ein verdammt guter Superman.

Versteht mich nicht falsch. David Corenswet macht seine Sache ebenfalls richtig gut. Er wirkt sympathisch, glaubwürdig und die Chemie zwischen ihm und Supergirl passt hervorragend. Trotzdem bleibt Henry Cavill für mich im Moment noch der Superman, an dem sich alle messen lassen müssen. Vielleicht ist das einfach Gewohnheit.

Am Ende bleibt für mich ein Film, der das Rad überhaupt nicht neu erfindet, aber genau das macht, was er soll.

Er unterhält.

Supergirl bekommt endlich ihren verdienten Platz im DC Universum. Die Figur fühlt sich anders an als Superman, bringt ihre eigenen Probleme mit und hat genug Persönlichkeit, um auch in zukünftigen Filmen interessant zu bleiben.

Ich hatte ehrlich gesagt mit etwas Schlechterem gerechnet und wurde positiv überrascht.

Meine Wertung: 3 von 5 Schränken.

Kein Meisterwerk. Keine Revolution des Superheldenkinos. Aber ein unterhaltsamer Film mit einer sympathischen Hauptfigur, einer guten Besetzung und genug Potenzial, damit ich mich schon jetzt auf ihren nächsten Auftritt freue.