Warum „Masters of the Universe“ viel besser ist als sein Ruf

Wenn man sich die aktuellen Kinozahlen von „Masters of the Universe“ ansieht, könnte man meinen, dass hier der nächste große Flop des Jahres läuft. Und genau das finde ich unglaublich schade.

Ich finde den nämlich klasse! Er gehört sogar zu den unterhaltsamsten Kinofilmen, die ich in den letzten zwei oder drei Jahren im Kino gesehen habe.

Der neue He-Man-Film macht etwas, woran viele moderne Neuauflagen scheitern: Er schämt sich nicht für seine Herkunft. Statt zu versuchen, das Franchise komplett neu zu erfinden, nimmt er die verrückte Welt von Eternia ernst und erklärt gleichzeitig viele Dinge, die Außenstehenden schon immer seltsam vorkamen. Warum heißen die Figuren so merkwürdig? Warum sieht diese Welt aus wie eine Mischung aus Fantasy und Science-Fiction? Warum laufen dort Charaktere herum, die auf dem Papier eigentlich völlig absurd wirken? Der Film liefert Antworten, ohne den Charme des Originals zu verlieren.

Besonders positiv überrascht hat mich, wie konsequent die Geschichte auf Eternia spielt. Einer der größten Kritikpunkte am Film von 1987 war damals, dass ein Großteil der Handlung auf der Erde stattfand. Hier ist das anders. Die Erde spielt nur eine kleine Rolle und dient hauptsächlich dazu, eine nachvollziehbare Ausgangssituation für Adam beziehungsweise He-Man zu schaffen.

Was mich besonders begeistert hat, ist die Darstellung der Figuren. Skeletor ist hervorragend getroffen. Natürlich wirkt er stellenweise fast schon übertrieben oder „cringe“. Aber seien wir ehrlich: Genau das war Skeletor schon immer. Wer sich an die Zeichentrickserie erinnert, weiß, dass er ständig lachte, übertriebene Monologe hielt und trotzdem eine bedrohliche Präsenz hatte. Der Film schafft genau diesen Spagat. Er ist gefährlich, aber gleichzeitig unverkennbar Skeletor.

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Auch die übrigen Schurken sind hervorragend umgesetzt. Besonders Trap Jaw sieht fantastisch aus. Natürlich wird nicht jede Figur bis ins letzte Detail erklärt. Für Zuschauer ohne Bezug zur Vorlage mag manches deshalb etwas trashig wirken. Für Fans gehört genau das aber zum Charme von „Masters of the Universe“.

Visuell macht der Film ebenfalls vieles richtig. Die Welt von Eternia wirkt lebendig, groß und abwechslungsreich. Die CGI ist überwiegend auf einem hohen Niveau. An ein oder zwei Stellen hatte ich zwar das Gefühl, als wäre das Budget langsam knapp geworden, aber das fällt angesichts der vielen gelungenen Effekte kaum ins Gewicht.

Vor allem merkt man dem Film an, dass hier Menschen am Werk waren, die das Franchise tatsächlich kennen. Überall finden sich kleine Details, Anspielungen und Figurenmomente, die zeigen, dass die Macher die Lore respektieren. Das fühlt sich nicht wie ein beliebiger Markenname an, der auf einen Fantasyfilm geklebt wurde, sondern wie eine echte Liebeserklärung an He-Man und Eternia.

Interessanterweise sehen das viele der positiven Stimmen ähnlich. Gelobt werden vor allem die liebevolle Umsetzung der Vorlage, die Mischung aus Fantasy und Science-Fiction sowie der Mut, den oft belächelten Stoff nicht zu verstecken. Einige Kritiker bezeichneten den Film als „wild unterhaltsam“, „eine Liebeserklärung an He-Man“ und als eine Art Samstagmorgen-Cartoon, der auf die große Leinwand gebracht wurde. Andere lobten, dass der Film die campige und teilweise absurde Natur der Vorlage bewusst übernimmt, anstatt sich dafür zu entschuldigen.

Genau das macht für mich den Reiz aus. Es gibt nur wenige Franchises, die Fantasy und Science-Fiction so selbstverständlich miteinander verbinden wie „Masters of the Universe“. Wer sich auf diese Mischung einlässt, bekommt einen sehr unterhaltsamen Actionfilm mit einer faszinierenden Welt und liebenswert verrückten Figuren.

Besonders schade finde ich deshalb, dass die schwachen Kinozahlen die Chancen auf eine Fortsetzung gefährden. Dabei deutet der Film im Abspann bereits klar an, dass weitere Geschichten geplant sind. Die Verantwortlichen haben mehrfach betont, dass sie das Universum gerne ausbauen würden.

Ich hoffe deshalb, dass der Film über Streaming und Mundpropaganda noch sein Publikum findet. Denn wenn dieses Projekt endgültig scheitert, könnte es wieder viele Jahre dauern, bis sich überhaupt jemand an eine neue He-Man-Verfilmung wagt.

Und das wäre wirklich schade. Denn „Masters of the Universe“ hat vielleicht nicht die Macht von Grayskull an den Kinokassen, aber für Fans besitzt der Film genau das Herz, das dieses Franchise schon immer ausgezeichnet hat.